Effiziento - Donnerstag, 27. Juli 2017
Was Sie über Wohnungslüftung wissen sollten
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Wohnungslüftung – Sinn und Zweck

Viele Faktoren bestimmen den Heizenergieverbrauch eines Hauses. Das beginnt beim Wärmeschutz der Wände, reicht über die Qualität der Heizanlage, die Gebäudeform bis hin zur individuellen Wohnungslüftung der Bewohner. Der relative Anteil der Lüftung am gesamten Energiebedarf ist stark abhängig vom Gebäudetyp. Wer beispielsweise im Einfamilienhaus nicht richtig lüftet, verbraucht jährlich bis zu 3000 Liter Heizöl – nur für die Lüftung.

Altbauten

„Es zieht wie Hechtsuppe...“ rufen jene aus, die an undichten Fenstern oder Türen in Altbauten einen unangenehmen Zug spüren. Allerdings wird das Ausmaß des Zuges meist überbewertet: Am Gesamtwärmeverlust eines Hauses ist der Luftwechselanteil durch Zugluft bei weitem nicht so stark, wie subjektiv gefühlt. Tatsächlich gehen bei Gebäuden, die bis Anfang der siebziger Jahre gebaut wurden, lediglich 20 bis 35 Prozent des Heizbedarfs auf Kosten der Wohnungslüftung. 65 bis 80 Prozent der Wärme gehen über die Transmission, also die Wärmeleitung durch angeblich luftdichte Bauteile wie Wände, Dächer, Glasscheiben etc. verloren.

Wohngebäude, die den Mindeststandard der Wärmeschutzverordnung von 1994 erfüllen, oder Altbauten, die nachträglich wärmegedämmt sind, haben zwar dichte Fenster – dennoch fallen auch hier Wärmeverluste bis zu 45 Prozent durch die Wohnungslüftung an. Der Grund ist einfach: Untersuchungen zeigten, dass die meisten Bewohner mit der neuen Fenstertechnik noch nicht umgehen können. So kann nur weitere Aufklärung über die richtige und sparsame Lüftung oder über Lüftungssysteme zu Einsparungen führen und gleichzeitig Bauschäden und schlechtes Raumklima verhindern. Ein weiterer Grund für die Lüftungsverluste in Neubauten liegt in der besseren Wärmedämmung und der Verringerung der Wärmeverluste durch die Wände, besonders in „Niedrigenergiehäusern“.

Niedrigenergiehäuser

Niedrigenergiehäuser sind so gut gedämmt, dass nur noch 35 bis 50 Prozent der Gesamtwärmeverluste durch die Wände, Fenster, Böden und Dächer entstehen. Der Lüftungswärmebedarf liegt dann bei bis zu zwei Dritteln. Zum Standard von Niedrigenergiehäusern gehört inzwischen eine mechanisch betriebene Wohnungslüftung, die für Energieeinsparung sorgen, einen erhöhten Wohnkomfort und einen sicheren Schutz gegen Feuchteschäden bieten soll. Auf diese Weise können Lüftungswärmeverluste auf ein Drittel des Gesamtenergiebedarfs zurückgehen, bedingt durch die mechanische Wohnungslüftung.

Relativer Anteil der Wohnungslüftung
Relativer Anteil der Wohnungslüftung an den Gesamtwärmeverlusten eines Wohnhauses

Energieeinsparung durch geeignete Wohnraumlüftung

Die erzielbare Energieeinsparung hängt stark vom Bewohnerverhalten ab. Voraussetzung ist, dass die Anlage durch die Bewohner akzeptiert und diese auf Fensterlüftung in der Heizperiode weitgehend verzichten. Die Lüftungswärmeverluste wurden beispielhaft für ein Einfamilienhaus berechnet, dessen Gebäudehülle der Niedrigenergiebauweise entspricht. Verglichen wurden der Verbrauch bei einer Fensterlüftung mit dem Verbrauch bei einer mechanischen Wohnungslüftung.

Bei der Fensterlüftung können die Luftwechselraten je nach Nutzergewohnheiten von Wohnung zu Wohnung stark voneinander abweichen. Für den Ausgangsfall Fensterlüftung wurde im Beispiel ein sparsames Nutzerverhalten angenommen bei noch ausreichender Raumluftqualität. Sollte der Nutzer nämlich nicht an ein sparsames Lüftungsverhalten gewöhnt sein, so kann nach Bezug einer Wohnung mit mechanischer Wohnungslüftung nicht immer eine Verhaltensänderung erwartet werden.

Bei einer Abluftanlage können die jährlichen Lüftungswärmeverluste um etwa 15 Prozent geringer sein als bei der Fensterlüftung. Bei Wärmerückgewinnung lassen sich die Lüftungswärmeverluste je nach Wirkungsgrad gegenüber einer Abluftanlage nochmals um mehr als die Hälfte reduzieren, wenn genannte Voraussetzungen erfüllt sind.

Der gesamte Heizwärmebedarf des Beispiel-Gebäudes beträgt bei einer Fensterlüftung rund 15.000 kWh pro Jahr (etwa 1.550 Liter Heizöl), mit einer Abluftanlage knapp 14.000 kWh. Wird eine Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung (Wirkungsgrad: ? = 0,7) berechnet, so werden etwa 9.900 kWh jährlich verbraucht. Bezogen auf die Wohnfläche erhält das Gebäude einen Energiekennwert Heizwärme von 73, 66 und 47 kWh/(m²*Jahr), dabei entfallen auf die Lüftungswärmeverluste 43, 36 und 17 kWh/Quadratmeter Wohnfläche und Jahr.

Energieverbrauch verschiedener Lüftungsarten für Beispielgebäude

Lüftungsart Heizwärme-bedarf Energiekennwert Heizwärme Lüftungs-wärmeverlust
  [kWh/a] [kWh/(m²*a)] [kWh/(m²*a)]
Fensterlüftung 15.000 73 43
Abluftanlage 14.000 66 47
Zu- und Abluftanlage (η=0,7) 9.900 47 17

Stromverbrauch und Primärenergiebilanz


Vergleicht man den energetischen Aufwand mit dem Nutzen, so muss auch der zusätzliche Stromeinsatz für den Ventilatorbetrieb berechnet werden. Bei stromsparender Auslegung (Gleichstromventilatoren) der mechanischen Wohnungslüftung liegen die Stromverbräuche sehr niedrig: pro Einfamilienhaus zwischen 180 (Abluft) und 400 kWh/Jahr (Wärmerückgewinnung).

Haushalte mit stromsparenden Haushaltsgeräten können trotz des zusätzlichen Stromverbrauchs einer mechanischen Wohnungslüftung jährlich bis zu 40 Prozent Strom gegenüber einem durchschnittlichen Haushalt (rund 2.000 statt 3.200 kWh/Jahr) sparen.

Die Primärenergiebilanz von mechanischer Wohnungslüftung ist dann positiv, wenn Planung, Ausführung und Betrieb sorgfältig vorgenommen werden: In diesem Fall kann zwischen 8 Mal (Abluftanlagen) und 18 Mal (Wärmerückgewinnung) mehr Heizenergie eingespart werden, als Ventilatorstrom verbraucht wird.

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